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Vollmond, Anfang November
Es pfeift um uns herum, Regen peitscht an die Fensterscheiben, die Busse schaukeln, als wären es Boote auf welligem Meer. Es ist unser erster Tag, an welchem wir die Busse nicht bewegen müssen, um weiter zu fahren. Oder jetzt doch? Wie hoch werden sich die Wellen wohl aufbäumen? Wir stehen nah dran, vielleicht trennen uns an der schmalsten Stelle noch 5 Meter vom Wasser. Der wolkenverhangene Himmel leuchtet gelb und ich muß immer wieder hinausschauen... Wenn es nicht schlimmer wird, können wir wohl bleiben. Und das wollen wir auch. Seit Tagen wünschen wir uns nichts mehr, als anzukommen. An einem Platz zu landen, an dem wir uns wohlfühlen, an dem wir für ein paar Tage wohnen können.
Die Angst vor Schnee in den Bergen, trieb uns schnell durch Süddeutschland, schnell über die Alpen. Und der Mangel an angenehmen Übernachtungsplätzen entlang der Strecke durch Italien, brachte uns schnell auf die Insel. Naja, gebracht hat uns die Fähre. Neun lange Stunden durch die Nacht, mit Motorenlärm und schmuddeligen Sitzgelegenheiten, die uns, mit mehreren Platzwechseln,wegen Spielautomatengetöse, Unbequemlichkeit oder eigener Unruhe, als Schlafplatz dienten. Draußen auf dem Deck blies uns der Wind zu stark um die Ohren, und nach zwei Stunden Erschöpfungsschlaf zog es uns wieder nach drinnen.
Dabei war uns noch gar nicht so recht nach verreisen. Alle haben uns darum benieden, rauszukommen, wegzufahren, unterwegs zu sein... Aber wir hatten uns doch gerade auf da sein eingerichtet. Ein wunderschön hergerichteter Platz, gemeinsam mit lieben Menschen die Tage verbringen, allein sein, wenn eine allein sein möchte und die Gemeinschaft genießen, wenn sich die Interessen miteinander verknüpfen. So hatten wir die letzten Wochen sehr genossen, in unserer neuen und hoffentlich auch zukünftigen WG. Aber wir wollten diesen Winter ja mal wieder etwas anderes erleben, als Kälte und Matschwetter. Wobei mir das Schlittschuhfahren letztes Jahr unendlich Freude bereitet hat!
Jetzt hier. Hier und jetzt. Es ist schon dunkel und ich kann die Wellen nicht mehr sehen, wie sie kurz neben mir an die Steine platschen. Gut oder nicht so gut? Es fühlt sich auf jeden Fall nicht an, als ob es schlimmer geworden ist.
Gestern wäre ein hoher Wellengang überhaupt kein Problem gewesen. Da standen wir viele Meter weit über dem Meeresspiegel, an einem halb eingefallenen Aussichtsturm aus vergangenen Zeiten, am Punta Foghe. Ein Platz mit Aussicht in alle Himmelsrichtungen, und es war still. Nur die Schüssel, die dem Ofenrohr als Dach dient, klapperte leise im Takt des Windes. Das Zirpen der Grillen und das leise Rauschen des Meeres waren zu hören und ab und zu der Ruf eines Käuzchens, was offenbar im Turm wohnte. Es war noch früh am Abend, doch schon dunkle Nacht. Die feuchte Luft hinterließ Wassertropfen überall, sodaß die Mondin sich auf Blättern, Steinen und dem Busdach spiegeln konnte. Die Schwalben, welche den ganzen nachmittag um uns herumgeflogen waren, hatten sich wohl im Turm zurückgezogen. Das einzige Fenster, ein großes dunkles Loch, wurde jetzt vom Käuzchen belebt. Wir saßen noch auf dem Busdach und warteten darauf, daß Wildschweine auf der Wiese erscheinen würden, denn viele aufgewühlte Löcher deuteten darauf hin, daß sie schon hier waren. Aber heute Nacht schienen sie schon zu ahnen, daß sie lieber wegbleiben sollten. Deren Instinkt funktioniert sicher noch besser als unserer. Wir ahnten nichts. Auch nicht, als immer wieder Männer kamen und mit Ferngläsern ins Flußtal schauten, welches sich links neben dem Turm zum Meer hin öffnet. Natürlich wunderten wir uns und hätten gern gewußt, wonach sie wohl suchen. Ob es mit der unangenehmen Überraschung am nächsten Morgen zu tun hatte, erfuhren wir nicht mehr, denn für uns gab es nur noch ein: `Bloß weg hier!` Lauter Männer in Tarnuniformen, das Gewehr geschultert, die Hunde schon wild bellend noch an Leinen oder in Verschlägen eingesperrt, warteten, Grappa trinkend, auf den Beginn der Treibjagd. Nein, tote Wildschweine, von trunkenen Männern herangeschleppt, wollten wir nicht sehen. Damit war uns die Idylle dieses Platzes genommen worden. Dabei hatten wir uns doch auf ein paar ruhige, einsame Tage gefreut, nachdem alles vorher auch nicht zum bleiben einlud.
Wir waren schon im Valle dei Luna, ganz im Norden, und wären gern da geblieben, aber wir fanden keinen Platz für die Busse, außer einem etwas unsicher wirkendem Parklatz direkt an der Straße, neben einem noch nicht so lang ausgeschlachtetem Pkw. Oder bei der Frittenbude, ein alter, zur Imbissbude ausgebauter Bus, am direkten Startpunkt für Wanderer und Touristen, da, wo die Straße aufhört und das Tal beginnt. Vielleicht macht der Besitzer ja irgendwann Winterpause, dann kann das Plätzchen für uns interessant werden.
Als nächstes mußten wir feststellen, wie verbraucht sich ein Küsten- und Badestrandabschnitt nach einer Sommer-, Sonnen-, Touristen-Saison anfühlt und fühlen uns selbst ganz schlecht, weil wir unsere Kackhaufen zwar vergraben, aber letztendlich aus dem gleichen Grund hier sind. Sonne genießen, schwimmen gehen, Spaß haben...und wenn uns irgendwas nicht gefällt, gehen wir eben wieder. So wie alle anderen auch. Das ganze Dorf ist fast menschenleer. Die Rolläden aller Fenster sind geschlossen, die Geschäfte und Restaurants auch. Abends brennen die Straßenlaternen nur für den grauen Asphalt und dafür, daß aus der Ferne ein Dorf erkennbar ist.
Weil wir den Badestränden Zeit zum erholen lassen wollten, fuhren wir ins Landesinnere. Die Mondin führte uns diesmal ins Valle della Luna. Die Busse brachten uns schnaufend steile Serpentinen hinauf, bis sich vor uns ein zauberhaftes weites Tal eröffnete. In der weiten grünen Ebene lagen riesige runde Steine, mal in großen Haufen, hoch wie Berge, mal in kleinen Ansammlungen überall verteilt. Dazwischen runde grüne Büsche und Weideland, vereinzelte, vom Wind mehr parallel zur Erde als aufrecht wachsende Korkeichen. Ein Stückchen Erde, was uns direkt zum träumen einlud. Wie es sich an einem solchen Platz wohl wohnen ließe, mit Freunden und in wohlgesonnener Nachbarschaft mit allen, mit Pferden und vielleicht einer Kuh auf der Weide und Hunden und Katzen um uns herum! Ja, so können wir uns gut vorstellen, ein bißchen seßhaft zu werden. Natürlich steht bei solchen Plänen immer noch ein Bus als Reisegefährt dabei... Aber auch hier gab es ein großes Fragezeichen! Wo können wir sein? Das ganze Tal ist von Zäunen durchzogen, kreuz und quer wie ein engmaschiges Gitter. An den wenigen Wegen, die sich zwischen den Zäunen entlangziehen, gibt es nicht einmal Ränder, die breit genug sind, um darauf zu stehen, ohne sich nur zwischen Stacheldraht eingesperrt zu fühlen. Uns wurde klar, daß wir ohne Kontakt zu den Besitzern der eingezäunten Gelände keine Chance haben, uns hier wohl zu fühlen. Wir wären bereit gewesen, jemanden mit Händen und Füßen um Erlaubnis zu bitten, an unserem gefundenen Lieblingsplätzchen stehen zu dürfen. Aber da war niemand. Das Tor stand zwar offen und wir hätten ja drin warten können, daß jemand kommt, aber...wir waren noch nicht überzeugt von dieser Variante. Außerdem spielten wir wegen des Sonnenscheins und der warmen Luft doch wieder mit dem Gedanken, uns zum Wasser zu bewegen und später zurückzukehren, wenn Boot, Schnorchel und Taucherbrille nicht mehr locken.
Zum See oder zum Meer? Diesmal zum Lago de Coghinas. Doch auch dort die gleiche Enttäuschung. Wunderschöne Natur, aber Zäune und Tore versperrten uns überall den Zugang zu einem kleinen gemütlichen Fleckchen Erde.
Wie bisher jeden morgen brachen wir wieder auf, um in einer neuen Umgebung unser Glück zu finden. Im dichten Nebel starteten wir zum Punta Foghe, dem runden, steinernen Aussichtsturm im erhofften Niemandsland.
Und nun sind wir hier, immer noch am Strand, aber tatsächlich wieder an einem anderen Platz, weil ich nicht die ganze Nacht wach bleiben wollte, um zu bemerken, wann der Wind die Wellen doch zu hoch steigen läßt. Etwas geschützter, hinter einer kleinen Düne, werden wir nun den Tag vorwiegend drinnen verbringen, denn der Wind drückt von außen gegen die Türen, sodaß sie sich kaum öffnen lassen. Aber wegfahren werden wir diesmal nicht! Wir werden warten, bis es wieder ruhiger wird. Dann können wir vielleicht noch einmal die Taucherbrillen aufsetzen und uns, kleine gemusterte Fische beobachtend, im Wasser treiben lassen, so wie am ersten Tag, als wir hier ankamen. War das ein Fest! Endlich ein Ort ohne Zäune, genug Platz links und rechts der sandig, erdigen Piste entlang der Küste und für uns eine perfekte kleine Landzunge am Übergang zur Steilküste, etwas abseits des wohl eher frequentierten hellen Quarzsteinchenstrandes. Das mußt du unbedingt ausprobieren! Es wird dir gefallen und kalt ist es auch nicht!, rufe ich Jutta erfreut zu und übergebe ihr Taucherbrille und Schnorchel. Nach etwas zögerlichem Ausprobieren hatten wir schnell raus, wie alles gut funktioniert, um unter Wasser entspannt weiter zu atmen und die überall auftauchenden Fische zwischen den Steinen, Algen und Seeigeln zu entdecken. Und morgen starten wir mit unserem neuen Schlauchboot! ...doch es kam ja anders.
Der nicht müde werdende Wind blies salzig feuchte Luft um uns herum. Langsam trübte sich der Blick durch die Fensterscheiben, denn das Salz setzte sich überall fest und wir begannen wieder über einen Platzwechsel nachzudenken. Einmal daran gedacht, ist die Ruhe dahin und bald dreht sich der Schlüssel im Zündschloß und die Motoren tuckern, um unsere Häuschen, die Fahrräder, das Moped, das Schlauchboot,... ja alles was uns lieb und gut ist, weiter zu tragen. Diesmal nur ein kleines Stück südlich, zu einer großen Meeresbucht, in welcher das Wasser immer recht ruhig sein soll. Und so ist es auch. Ein kleiner Fischerstrand an der Ostküste, der ca. 5 km langen und schmalen Landzunge, bietet uns optimale Bedingungen. Und an der Westküste, gleich da drüben, wir können es hören, brausen recht kräftige Wellen im Wind. Wir können hingehen, wann wir wollen, sind ihnen aber nicht ständig ausgesetzt. Und auch der einsetzende Regen, war uns recht, denn er wusch die salzig, staubige Patina von allen Fenstern und Flächen.
Alles war endlich gut!
Und es war Zeit für´s Schlauchboot! Der schnelle Wechsel zwischen Sonne und Wolken ließ uns zwar etwas zögern, hielt uns jetzt aber nicht mehr davon ab, es endlich aufzublasen und einzuweihen! Zwischen Fischernetzen und Bojen, gegen Wellen und Wind schaukelte uns "anarche" auf´s Meer. `Mehr links, mehr links, wo paddelst du denn hin?` `Na, am Strand entlang, wo willst du denn hin?` `Na, auf´s Meer hinaus!` `Aber das sind wir doch!` `Aber...` `Dann müssen wir wohl abwechselnd paddeln, dann kann jede da hin, wo sie will und die andere kann sich treiben lassen.` `Gute Idee!` Wir zwei, so gegensätzlich wie es nur geht. Immer wieder auf´s Neue, immer wieder eine Herausforderung, immer wieder die Frage: Was läßt uns eigentlich so gut zusammen passen? Die Abenteuerlust, die Liebe zur Freiheit, zu uneingeschränkter Selbstbestimmung, zum Leben in der Buntzone...und die Angewohnheit, nach dem Essen alles Geschirr gleich zu spülen...! Dankeschön, für dieses wunderbare Leben! Irgendwann schafften wir es sogar, die Paddel gleichzeitig und gleichmäßig ins Wasser zu stechen und geradeaus zu schippern...
Einige Zeit ist vergangen. Wieder sind wir am Meer. Heute paddelten Frank, Jutta und ich zur "Bue Marino", eine wohl recht bekannte und riesige Höhle an der Küste, die am besten vom Wasser aus zu erreichen ist. Im Nachbarort gäbe es kleine Motorboote zu mieten, aber wir sind mit unserer "anarche" sehr glücklich. An unserer ersten Anlegestelle ganz stolz angekommen, hoben wir das Boot auf die rundgewaschenen Felsen, kletterten ein Stück nach oben, um in den dunklen Schlund der Höhle einzusteigen, doch ein eisernes Tor versperrte uns den Weg. Jutta wollte einen möglicherweise im Berg versteckten Eingang finden und stieg die an der Felswand angebauten Metallstufen hinauf, Frank versuchte sich am eisernen Tor, denn er fand es ungerecht, daß uns jemand den Zugang zur Höhle verwehrt und ich nahm mir Taucherbrille und Schnorchel, um ein bißchen in die Unterwasserwelt abzutauchen. Doch bald war mir kalt, Jutta kam zurück und Frank kam ohne Eisensäge nicht weiter. Also doch erstmal wieder ins Boot und weiter. Ein dunkles Loch nach dem anderen säumte die felsige Küste. Wo sollen wir anlegen und es noch einmal versuchen? Der Anblick der gesamten Küstenlinie ist überwältigend. Das Meerwasser leuchtet so wunderbar türkis, leichte Wellen schlagen an die steil nach oben ragenden Steinberge, Bäume, spiralförmig in alle Richtungen gewachsen, schmücken die Klippen. Hinter wahrscheinlich irgendwann einmal abgebrochenen Felswänden werden Höhlen sichtbar, ausgefüllt mit Stalagmiten, zwischendrin Flechten, Moos und grüne Büsche, sogar Feigenbäume wachsen aus manchen kleinen ausgewaschenen Hohlräumen heraus. Wenn wir nicht aus Erfahrung wüßten, daß wir recht schnell seekrank werden, könnten wir uns hier ewig vom Wasser schaukeln lassen, dieses bezaubernde Stück Natur bewundernd! Doch auch die Zeit haben wir im Kopf. Die Sonne verschwindet schnell hinter den Bergen, es wird kühl und dann macht es keine Freude mehr, mit nassem Hintern im Boot gegen die Strömung zu kämpfen. Doch da taucht eine neue Anlegestelle auf, der nächste Höhleneingang, natürlich wieder verschlossen. Wir versuchten, die dicken, rostigen, aber etwas beweglichen Gitterstäbe beiseite zu schieben, um uns hindurchzuzwängen. Es war möglich, hineinzukommen und wir waren bereit dazu. Wo der Kopf durchpasst, passt auch der Rest! Aber vielleicht...tatsächlich...Jutta bemerkt , daß am Tor gar keine Schlösser sind und schiebt es einfach auf! Kaum zu glauben! Na dann los! Die Höhle ist riesig und metallene Wegegitter führen uns vorbei an Stalagmiten und Stalaktiten, über Wasser und Felsen, tief in den Bauch von Mutter Erde. Spannender wäre es natürlich, gäbe es nicht diese vorgegebenen Wege. Ich stelle mir vor, wir würden diese Welt tastend und fühlend, ganz ohne alles, entdecken. Wir würden Monate brauchen, um alles zu erschließen. So laufen wir schnell, auch weil unsere Taschenlampen immer schwächer werden und wir eigentlich kaum mehr als den nächsten Schritt erkennen können. Wasser plätschert unter uns, kunstvoll gewachsene Kristalle glitzern an den Wänden, manchmal scheint eine Wand mit Zeichen bemalt zu sein, vielleicht sind sie vom Wasser, vielleicht von Menschenhand gemacht. Hätten wir unsere Barke dabei, würde unsere Entdeckungstour noch tiefer ins Dunkel führen können, denn sie scheint kein Ende zu haben. Nur der irgendwann beginnende See lässt uns stoppen, denn bei dem Gedanken, ab hier zu schwimmen, wird doch auch mir etwas mulmig. Zurück im Boot, machen wir uns auf den Weg Richtung Startpunkt, denn langsam bekommen wir Hunger und können auch nicht einschätzen, wieviel Zeit uns noch bleibt, bis die Sonne verschwindet. Morgen können wir ja wieder neu starten und uns weiter nach Süden vortasten.
Gestern waren wir das erste Stück zu Fuß und schwimmend unterwegs, und waren schon begeistert von den ersten kleinen Felshöhlen und Spalten, in die das Wasser hinein und wieder hinausschwappte und uns mit hinein und wieder herausbrachte. Die strahlende Sonne über den hellgrauen runden und grün bewachsenen Felswänden, und das Wasser unter uns, so faszinierend hell und leuchtend, lockten mich, einfach mittendrin zu sein und zu genießen. Also hinein! Sogar Frank, der bis jetzt nur einmal unfreiwillig im Wasser landete, weil er zu hastig ins Boot sprang, ließ sich dazu überreden! Es ist so toll, immer wieder neue, scheinbar unerreichbare Ecken zu entdecken, einfach durch einen mutigen Schritt. Neue Welten erschließen sich von ganz allein, mit jedem Schritt, den Du vorwärts gehst!
Und es gäbe über fast jeden der vergangenen Tage eine Geschichte zu erzählen. Wir erlebten so viel, daß mir gar keine Zeit blieb, alles aufzuschreiben.
Vor ein paar Tagen kamen wir quer über die Insel gefahren, um hier zur Ostküste zu gelangen. Erstmal hielten wir an der heißen Quelle in Fordangianus, um all unsere Wäsche zu waschen und hoffentlich auch uns, vor allem die Haare vom Meersalz zu befreien. Doch zum baden war das Wasser im Quellbecken und sogar an der Einmündung zum Fluß viel zu heiß. Für die Wäsche perfekt, aber für uns...nicht mal mit den Füßen konnten wir darin waten! Doch wir hatten eine geniale Idee und verbrachten den Abend badend in unserer "anarche". Sie eignet sich perfekt als Busbadewanne! Im Ort konnten wir einkaufen und ein wenig Kontakt zu den einheimischen Frauen im Gemüseladen aufnehmen. Leider verstanden wir nicht einmal die Frage, woher wir denn kommen, aber gelacht haben wir trotzdem alle zusammen über unser aller erstaunten Gesichter. Natürlich packte uns so noch mehr die Lust, fleißig italienisch zu lernen und wir gleich am Abend, wußten wir zu sagen, woher wir kommen! ...Germania orientale und Germania occidentale... Dann wieder unterwegs durch das bergige Inland, am Ortseingang der kleinen Stadt Mamoiada, wurde ich auf ein Foto eines Steines mit eingravierten Kreisen aufmerksam. Ich hatte noch gar nichts davon gehört oder gelesen, aber ich wußte sofort, den will ich sehen! Wenn kein schöner Standplatz uns anlacht, entscheide ich mich oft dagegen, einfach irgendwo anzuhalten, denn mit zwei Bussen ist das echt schwierig. Wendemanöver in engen Sackgassen ließen uns schon manchmal schwitzen ...aber jetzt bog ich trotzdem einfach in die nächste kleine Gasse ein. Wir landeten auf einem frisch geteerten Platz, gerade groß genug um beide Busse abzustellen und den Stein zu suchen. Ich stand an Juttas Bustür, um ihr zu berichten, was ich vor hatte, da hörte ich eine Frau lachen. Sie stand an einer Hofeinfahrt und lachte und lachte. Scheinbar waren wir der Grund, denn sie öffnete uns ihre Arme, schüttelte mit dem Kopf, nahm ihn in beide Hände und lachte. Sie war fasziniert von unserem Erscheinen und lud uns auf einen Kaffee ein. Warum nicht, wir haben ja Zeit! Und ein paar Schritte weiter, in ihrem Hof, stand der Stein! Ein grauer, überall abgerundeter Granit-block, über zwei Meter hoch, unten breiter als ich mit ausgestreckten Armen fassen kann, nach oben hin schmaler werdend und darauf verteilt, mehrere, einst wohl tief eingravierte, ineinander und nebeneinander laufende konzentrische Kreise, manchmal mit einer aus deren Mittelpunkt hervorgehenden Achse. Mit den Fingern verfolge ich diese uralten Spuren und erfahre, daß Mariagiovanna und Salvatore hier planten, ihr Haus zu bauen und beim Erdaushub für den Keller, auf den Stein stießen. Und nun darf er weiter hier am Platz sein, so wie wahrscheinlich schon seit 5000 Jahren. Einzigartig in Sardinien, gibt es wohl überhaupt nur wenige Funde mit ähnlichen Motiven, und diese in England und Irland. Sie sind Energie, Kraft, die in kreisförmigen Wellen ausströmt und sich wieder zentriert. Energie, die uns angezogen, uns hierhergebracht hat. Und wir werden auch gebraucht! Da gibt es diesen häßlichen, nicht wegzubringenden Wasserfleck in einem ihrer Gästezimmer, klagt Mariagiovanna, als sie erfährt, daß ich male. Ob ich ihn vielleicht mit einem kleinen Bild übermalen könnte? Eine Herausforderung...ich weiß ja wie hartnäckig solche Flecken immer wieder durchkommen! Aber ich nehme sie an und auf ihre Frage was es kostet, haben wir natürlich beide wie immer keine Antwort. Ich schlage einen Tausch vor. Sie kocht ein lecker Essen und ich male. Sie ist einverstanden und mit Handschlag ist der nächste Tag geplant. Aber nach schon dieser sehr spontanen Begegnung folgt die nächste. Auf der Suche nach einem Bäckerladen im Ort, lädt uns eine junge Frau auf der Straße einfach so zu Mittagessen ein. Sie hält eine Schüssel heiße Polenta im Arm und bittet uns, mit ihr hinein zu kommen. Und wieder sitzen wir ganz plötzlich in einer fremden Küche mit netten Menschen, reden mit Händen und den ersten gelernten italienischen Worten und haben Spass! Unglaublich, was hier gerade passiert, in einer kleinen, auf der Karte total unscheinbaren Stadt, die wir schon längst durchfahren hätten, wäre da nicht dieser Stein...! Im Januar werden wir vielleicht noch einmal hierher kommen, denn dann werden Feuer entfacht und Feste gefeiert... Jetzt haben wir eventuell eine Verabredung mit Frank. Auch er ist auf der Insel und per e-mail schlugen wir ihm vor, uns an der Karstquelle "Sorgente su Gologone" zu treffen. Ob er wohl kommt? Während wir warten, lernen wir zwei junge Frauen einer Reisegruppe kennen, sitzen an der Quelle und schauen in tiefblaues Wasser, in welchem sich die umliegenden Felsen, Oleander und andere Büsche spiegeln, beobachten Vögel, die aus dem hohen Felsspalt auftauchen und im nichts verschwinden und gehen am nächsten Tag in die Berge um vielleicht das einst in einer riesigen Höhle erbaute Nuraghendorf zu finden. Leider ist wieder einmal Sonntag, der Tag der Jäger. Schon von weitem hören wir ihre Rufe und treffen diese auch irgendwo im nirgendwo. Genau an der Stelle, an der ich eigentlich umgekehrt wäre, weil ich die Orientierung verloren hatte. An zu vielen Wegkreuzungen waren wir entweder links oder rechts gegangen und ich hatte Bedenken, auf dem Rückweg noch zu wissen, woher wir gekommen waren. Aber nochmal an all den Männern wollte ich nicht vorbei und Jutta war sich sicher, ohne Probleme zurückzufinden. Wie schnell ich doch an meine Grenzen komme! Ihr einfach so hinterherzulaufen, ohne selbst auch zu wissen, wohin es geht, fällt mir ganz schön schwer. Ich weiß lieber wo´s langgeht, kann nicht einfach loslassen. Immer wieder begegnet mir diese Aufgabe und immer noch kann ich sie nicht, nicht mal in recht unkomplizierten Situationen, freudig annehmen und mich der sich von allein ergebenden Lösung hingeben! Obwohl ich doch oft gar keine Lust mehr habe, immer die Verantwortung auf mich zu nehmen!
Wisst Ihr eigentlich noch, wie es ist, auf eine vage Verabredung zu warten, ohne sich telefonisch oder sonst irgendwie zu verständigen? Einfach nur nachzuspüren, was Du vermutest und wie Du Dich darauf einlässt? Wie lange wollen wir auf Frank warten? Was machen wir, wenn wir wegfahren wollen? Wie hinterlassen wir eine Nachricht am Platz? Aber bevor wir tatsächlich überlegen müssen, kommt er angefahren! Nach einem gemeinsamen Essen und Kaffee zum Nachtisch lassen wir uns von Frank zum Strand leiten...naja, erstmal müssen wir alle mit einem Nachtlager mitten zwischen Serpentinen, rauf und runter, vorlieb nehmen, denn es ist dunkel, Frank wurde schon angefahren und auf dem richtigen Weg schienen wir auch nicht zu sein. Am nächsten Morgen ging es ganz schnell, einmal noch auf einer extremen Huckelpiste alles ordentlich durchgeschüttelt und dann ist es wieder ganz nah...das Meer!! Ein einsamer Strand, rundherum grün, lässt uns zwei Tage und Nächte verweilen, doch ein paar einheimische Männer lungern stundenlang in unserer Nähe herum, sodaß wir die Busse lieber noch einmal steil hinauf und wieder hinabsteuern, um ein paar Kilometer weiter, zum Caletta Fuili zu kommen, dem Strand, von welchem aus wir zur Höhle gepaddelt waren und eigentlich auch noch zum "Cala di Luna" wollten. Aber das verschoben wir wegen zu unruhigem Wasser auf irgendwann später und starteten zum nächsten Ziel.
Tatsächlich schaffte ich es wieder, spontan von unserer Route abzuweichen, als mir die Landschaft gefiel und dazu noch lauter Tiere frei darin herumliefen.
Die sich seit ein paar Tagen wieder mit Licht füllende Mondin und der wunderbare neue Platz trösten über den nicht geschafften Ausflug zum Mondinnenstrand hinweg. Eine leuchtende Sichel wandert schon am frühen Abend am Himmel entlang, um später hinter dem nahen Hügel zu verschwinden, an welchem wir uns jetzt heimisch fühlen. Hier oben in den Bergen ist es nachts schon richtig kalt. Wir sitzen am Feuer, schauen der Mondin nach und lauschen den Rufen der Tiere. Ein miauendes Kätzchen sucht unsere Nähe und ist doch zu scheu, ich brenne und schnitze am Fluß gefundene Hölzer und Jutta wirft Zwiebackbröckchen, über die sich morgen früh die Schweine freuen, wenn das Kätzchen sie nicht holt...Ja, die Schweine, halbwild und frei herumlaufend, lassen unser Zwölfchen ganz narrisch sein. Total verliebt ist sie in die grunzenden Wesen mit schlackernden Ohren und Ringelschwänzen. Auch wenn sie ihr fast ein bißchen Angst machen, weil sie ziemlich stürmisch auf dargebotenes Futter reagieren und ihr sogar fast bis in den Bus hinterherspringen um nach allem zu schnappen was eßbar sein könnte. Morgens schimmert leichter Rauhreif auf den Wiesen und vom Hügel her klingeln die Glocken der Kühe, Schafe und Ziegen. Spät kommt die Sonne über die östliche Bergkette geklettert und taucht nach und nach alles in ihr strahlend, warmes Licht. Um die Busse herum stehen Kühe und schauen zum Fenster herein, ein Stück weiter weg grasen Pferde und sicher werden auch die Schweine bald auftauchen. Alle leben hier gemeinsam und frei. Es fühlt sich an wie ein besonderes Glück, mittendrin sein zu dürfen und dann kommt Wehmut dazu. Warum kann es nicht überall so sein?!
Und es ist gerade besonders schwierig, denn auch wir wären im Moment am liebsten überall! Der wieder strahlende, ja heiße Sonnenschein macht Lust auf Meer, auf Schwimmen und Paddeln, bevor es zu kalt dafür sein wird. Aber schon nach drei Tagen wieder von einem solchen Platz aufzubrechen, fällt schwer. Und so viele Tiere wie hier werden wir nicht so schnell wieder als Nachbarn haben. Außerdem verändern neue Plätze direkt den Tagesablauf und alles, was wir hier begonnen haben und nicht zu Ende führen, könnte dort unvollendet vergessen werden... Obwohl wir uns entschieden, noch zu bleiben, verließen wir etwas traurig den Platz. Wir hatten nachts "Besuch" bekommen, d.h. ein Auto leuchtete unsere Busse an und hupte immer wieder, wartete und hupte. Was soll das denn und wer macht sowas und warum? Wir haben uns natürlich angezogen und gewartet, was passiert, aber der Besuch verlor irgendwann die Geduld und fuhr wieder. Jedenfalls verging uns damit die Lust, noch eine Nacht da zu stehen und evtl. wieder geweckt zu werden. Trotzdem bekommt der Platz ein dickes Kreuz in der Karte und wir werden auf jeden Fall später noch einmal dorthin zurückkehren!
Wir schlängelten uns aus den Bergen Richtung Küste, landeten einmal tief unten an einem geteerten Parkplatz, vor und hinter uns steile Felswände, zwischen denen nur links und rechts ein kleiner Blick zum Wasser frei war, die Küste voll von riesigen, von irgendwo heruntergefallenen, rechteckigen Bruchsteinen. Hier wollte ich nicht bleiben. Der nächste Platz vermüllt, der nächste auch und dazu weder Blick aufs Meer noch irgendwohin.
Und nun... Nur ein paar Schritte am Strand entlang und wir stehen mitten im Zauberland. So eine prachtvolle Mischung von in allen Nuancen leuchtend rotem, von Wind und Wasser geformten Porphyrgestein, dazwischen verschiedene Grüntöne der überall herauswachsenden Pflanzen und darunter wieder dieses strahlende Türkis, was mich lockt! ...der bisher wirklich beeindruckendste Strand! Wir sind glücklich über so ein wunderbares und auch so ruhiges Fleckchen, der Platzwart des Campingplatzes nebenan hat nix dagegen, daß wir da sind und Wasser gibt es auch in der Nähe! Ganz automatisch schalten wir auf ein langsameres Tempo um. Wir müssen nicht alles, was der Platz zu bieten hat, an einem Tag erleben. Wir haben Zeit! Heute ein Spaziergang, morgen unsere Barke startklar machen und aufs Meer hinaus paddeln und uns treiben lassen... Haustiere gibt es auch. Erst ein ganz zutrauliches schwarzes Kätzchen und später ein Hund. Beide bekamen natürlich gleich Futter und Wasserschalen aufgestellt und die Frage, was sollen wir mit ihnen machen, wenn wir wieder wegfahren, wird zum Glück vom Platzwart beantwortet. Sie gehören irgendwie dazu. ...bald ist wieder Vollmond und bis dahin werden wir auf jeden Fall hier sein...
Ganz schwarz ist die Liese und am liebsten würde ich sie mitnehmen. Es fühlt sich auch so an, als würde sie schon immer hier im Bus auf meinem Bett liegen. Und auch Paul, der Hund ist dageblieben. Tag und Nacht bleibt er bei uns, geht mit uns am Strand entlang spazieren, kommt mit in die Berge, ohne Worte läuft er treu neben uns her. Doch er gehört nicht nur zum Campingplatz, er gehört zu jedem, den wir hier treffen...den Waldarbeitern, dem Geländebeobachtungsposten... und bei allen hat er einen Namen...mano bianco, constantino und für uns ist es Paul. Das Meer rauscht und langsam wachsen Wellen aus dem stillen Teppich. Die Mondin wirft ihr Licht in die sich aufbäumenden Wellenberge und läßt schwirrende Lichtgeister mit ihnen Richtung Strand eilen, wie hunderte blitzende Fische. Wenn die Welle bricht, tauchen sie tiefer ins Dunkel und ein Netz von weißem Schaum bedeckt die klackernden Steine am Ufer. Es wird immer schwieriger, die Tage auseinander zu halten und es gibt ja gerade auch keinen wichtigen Grund, zu wissen, ob nun Mittwoch oder Donnerstag ist... Ein Spaziergang in die Berge brachte uns zu einem ganz verwunschenen Bächlein. Es bahnt sich seinen Weg durch rote Felsen, schwingt sich in leichten Kurven durch ausgewaschene Rinnen, dreht sich Stufe für Stufe in Spiralen durch kleine und große Steinbecken nach unten Richtung Meer. Und es singt dabei! Am nächsten Abend saßen wir da und lauschten gebannt den Wasserfeen. Zarte Melodien tönten durch die Nacht, begleitet vom Licht der vollen Mondin, was auch hier in den sanften Wellen flimmerte und gemeinsam mit unserem kleinen Feuer die Schatten der Bäume ringsum tanzen ließ. Es duftete nach den kleinen Teigtaschen, die wir auf einem Stein im Feuer buken und wir wußten noch nicht, daß wir gleich ums Feuer laufen werden, um uns aufzuwärmen, damit wir in eines der Wasserbecken eintauchen können. Dann krochen wir ins Zelt welches wir gleich neben der Feuerstelle aufgeschlagen hatten, um den Rest der Nacht hier zu schlafen. So oder ähnlich verbrachten wir die nächsten Tage und waren dankbar für die Zeit in dieser kleinen zauberhaften Idylle!
Und hätten wir geahnt, wie schwer sich der nächste Platz finden lassen würde, wären wir wohl noch länger geblieben! Auch Liese und Paul hätten das sicher genossen, denn der Abschied fiel uns allen schwer. Aber da war sie wieder, die rastlose Neugier nach neuen Gesichtern der Insel und sie trieb uns davon.
Die Mondin scheint jetzt rasant abzunehmen, sie ist schon wieder halb, die Tage sind einfach weg und doch vergeht die Zeit nicht. Immer wieder starteten wir die Busse in neuer Hoffnung und durchquerten die südöstliche Spitze der Insel. Zwölfchen folgte Nele und Nele gab sich die größte Mühe...las die Karte, schaute in die Landschaft und hoffte auf irgendwelche Zeichen, achtete auf den Verkehr und darauf, daß Zwölfchen hinter ihr bleiben konnte, hielt Ausschau nach Einkaufsmöglichkeiten, nach Rastplätzen und nach Bleiben...doch nix tat sich auf! Selbst der Ort, von dem uns eine Freundin erzählte, war nach zweimaligem Aufsuchen, weil wir ja vielleicht doch das Dorf und das Leben darin übersehen hatten, einfach nicht existent. Jetzt galt es also, Caligari zu umfahren, denn in das undurchschaubare Strassengewimmel der Stadt hineinfahren mit zwei Bussen...nein, das wollten wir uns doch nicht antun. Manchmal sieht es auf der Karte ja einfach aus und entpuppt sich dann schon als ein nur für Einheimische erkennbares System von Einbahnstrassen, die nie in die Richtung führen, in welche wir wollen. Dazu kommt natürlich, daß sie nach jeder Kurve meist noch enger werden und es kein zurück mehr gibt! Und das Straßennetz in und um die Hauptstadt herum läßt mich beim Blick auf die Karte schon zweifeln! Doch auch der Versuch, drumherum zu fahren, endete in einer sternenförmigen Reise, ein sich abwechselndes auf Caligari zufahren und sich wieder entfernen, Abfahrten verpassen oder gar nicht erst entdecken...Verzweiflung und die Suche nach einem Grund, warum es vielleicht doch gut war, daß es uns jetzt hierher verschlagen hat... Aber letztendlich verlassen wir das Stressgebiet in die richtige Richtung, die Inselseite ist gewechselt, wir atmen auf und mir ist klar, das nächste Mal fahre ich entweder mitten in die Stadt hinein und wieder heraus, oder ich umfahre sie in einem noch größerem Abstand!
Neue Hoffnung wächst, die Karte zeigt lauter spannend scheinender Ziele, ich tauche ein in die Welt der Zeichen,der Wege und Flüsse und versuche aus den Namen geschichtsträchtiger Orte,der Grotten, Quellen und Berge eine Bedeutung zu lesen...
In der "Oasi di WWF" ruhen wir uns zwei Tage lang aus, essen frische Artischocken zu leckerstem sardischen Chiabattabrot, eingetaucht in eine Marinade aus Olivenöl, Balsamessig und sardischem Eukalyptushonig, mit frischem Rosmarin von einer unserer letzten Wanderungen in den Bergen gewürzt. Wir löffeln reife saftige Khakis, welche ein Geschenk von Salvatore aus Mamoiada waren und nun in der Kiste unter meinem Bett nach und nach reif werden... Nach diesem köstlichen Mahl gibt es italienischen Espresso mit geschäumter Milch und wir strecken die Beine aus, lehnen uns zurück und geben Laute der Zufriedenheit von uns! Hmmmm! Wie gut wir es doch haben! Dankeschön! Vielen, vielen Dank für diese Fülle an Nahrung, an Abenteuern und an glücklichen Stunden, die wir Tag für Tag genießen dürfen!
Und nun, an´s Meer oder in die Berge? Zum Schwimmen ist es mittlerweile doch etwas frisch geworden. Heute morgen war die Moped-Abdeckplane steif gefroren! Gut, es war etwas kälter heut nacht, aber Frost?! Trotzdem führte uns die Strecke erstmal an der Küste entlang, wobei wir die auf der Karte eingezeichneten Sehenswürdigkeiten nur "streiften" und an einem der südlichsten ins Meer ragenden Zipfel des Landes ankamen. Wir spazierten zum Turm ganz an der Spitze und genossen den Panoramablick zurück auf die Insel. Lauter meerblaue, mit kleinen grün bewachsenen Fels-Inseln verzierte Buchten , vor dunkelgrünen Hügelketten und hellblauem Himmel. Die Sonne wärmt uns den Rücken während der Turm zu Kletterversuchen verführt. Wie Eidechsen kleben wir abwechselnd an der Mauer und wagen uns, vorsichtig die Eingriff- und Trittstellen prüfend, mit jedem Mal ein Schritt weiter nach oben. Nach ein paar Tagen sollte dies eine recht leichte Übung sein. Mal sehen, wie lange wir bleiben und wie oft wir uns daran versuchen werden, uns eine noch bessere Aussicht zu verschaffen.
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